VTR Customs Hooligan 13: Roadster-Umbau auf Basis der brandneuen BMW R 1300 R

VTR Customs baut die Hooligan 13: einer der ersten Umbauten auf der BMW R 1300 R
Wenn ein Modell gerade erst ein halbes Jahr auf dem Markt ist, gibt es normalerweise noch kein Zubehör dafür, keine Umbausätze, keine fertigen Lösungen. Genau das hat die Schweizer Werkstatt VTR Customs aus Schmerikon nicht abgeschreckt, sondern gereizt. Mit der Hooligan 13 hat Werkstattchef Dani einen Roadster auf Basis der neuen BMW R 1300 R gebaut, bei dem fast jedes Teil von Hand entstanden ist.
Der Boxer als Auslöser
Die R 1300 R ist seit Frühjahr 2025 im Handel und bringt den grossen 1300er-Boxer mit 145 PS und 149 Nm mit, der schon serienmässig ordentlich Schub liefert. Genau dieser Charakter hat es Dani angetan: der satte Antritt aus niedrigen Drehzahlen heraus, mit dem man ohne viel Drehzahlgeschrei zügig vorankommt. Für ihn zählt die R 1300 R deshalb zu den spannendsten Motorrädern, wenn es sportlich auf der Strasse zugehen soll, und er wollte einer der Ersten sein, die daraus einen eigenständigen Umbau machen.
Der Name Hooligan verweist auf eine Naked-Bike-Strömung, die ursprünglich aus den USA kommt und längst auch in Europa Fans hat. Dani selbst hat sein Handwerk in den Achtzigern gelernt, als hohe Lenker und Superbike-Optik das Strassenbild prägten, eine Ästhetik, die ihn bis heute begleitet. Auch der Name der Werkstatt passt ins Bild: VTR steht für Velo, Töffli, Rasenmäher, den bescheidenen Anfängen der Firma. Von dort bis zum ersten Custom-Roadster auf der neuen R 1300 R zieht sich ein roter Faden: immer wieder als Erster etwas wagen, das es so noch nicht gibt.
Handarbeit statt Katalog
Ohne Aftermarket beginnt jeder Umbau bei den Rädern. VTR wollte bewusst kein Carbon, sondern Kreuzspeichenräder von Kineo, weshalb ein Original-Radsatz der R 1300 R zum Hersteller ging, damit dort passende Felgen entstehen konnten. Auch beim Lenker war Fingerspitzengefühl gefragt, weil Durchmesser, Form und Zulassung zusammenpassen mussten, ohne dass es dafür schon fertige Lösungen gab.
Am deutlichsten zeigt sich der Pioniercharakter beim Auspuff. Für die R 1300 R gab es anfangs praktisch nur eine Akrapovic-Doppelflutanlage, also hat VTR kurzerhand einen SC-Project-Schalldämpfer adaptiert, der eigentlich für die GS gedacht war. Zunächst lief das Bike nur mit dem deutlichen Hinweis “Racing only”, weil Dani nicht ständig Fragen zur Zulassung beantworten wollte. Als die Schweizer SC-Project-Vertreter den klappenlosen Sound an ihrem Stand hörten, entschieden sie sich, für genau diese Anlage Schweizer Papiere zu erstellen. Heute fährt die Hooligan mit einem strassenlegalen SC Project, ein schönes Beispiel dafür, wie ein einzelner Umbau sogar Zubehörhersteller in Bewegung bringen kann.
Zwei Tage für eine Startnummerntafel
Wie viel Arbeit in scheinbar simplen Details steckt, zeigt die handgefertigte Alu-Startnummerntafel. Position, Form und Halterung mussten komplett neu entwickelt werden, was mehrere Tage in Anspruch nahm. VTR hat zwar bereits Nummernhalter für die R 12 GS und die 1250er-Modelle gebaut, doch die Anbaupunkte der R 1300 R sind neu und mussten eigens angepasst werden.
Gearbeitet wird bei VTR grundsätzlich nach Augenmass, ohne CAD und ohne 3D-Scan. Nur einmal ist die Werkstatt davon abgewichen, als ein aufwendiges Alu-Cockpit sonst unbezahlbar geworden wäre und ein 3D-Druck bei Sauber F1 die Lösung brachte. Fertige Umbausätze bietet VTR bewusst nicht an, über fünfzig entsprechende Anfragen wurden bereits abgelehnt, weil jedes Teil ein Einzelstück bleiben soll.
Speichenräder und Semi-Slicks auf einem Roadster
Kreuzspeichenräder und Semi-Slicks auf einem Bike, das serienmässig mit Gussrädern kommt, wirken zunächst wie eine reine Stilentscheidung. Bei VTR gilt aber der Grundsatz, dass ein Umbau nicht nur gut aussehen, sondern auch gut fahren muss. Die Kombination soll den sportlichen Charakter der Hooligan unterstreichen und das Handling schärfen, statt nur der Optik zu dienen.
Für wen die Hooligan gedacht ist
Wer maximale Dynamik im Naked-Bike-Segment sucht, landet laut Dani ohnehin eher bei einer M 1000 R mit Carbonrädern. Die Hooligan richtet sich an alle, die etwas anderes wollen als die Masse und die dabei unbedingt auf einem Boxer sitzen möchten. Für sportliches Fahren auf der Strasse greift Dani selbst lieber zur R 1300 R als zur M 1000 R, eben wegen des Motorcharakters.
Bemerkenswert: Am Anfang stand kein Kundenauftrag. Als Basis diente ein ganz gewöhnlicher, dunkelblauer R-1300-R-Vorführtöff aus dem Vorjahr. Da das Fahrzeug als Vorführer bereits abgeschrieben ist, dürfen Interessenten es unkompliziert probefahren, aktuell steht die Hooligan 13 zum Verkauf.
Fazit
Die Hooligan 13 ist kein kalkuliertes Auftragswerk, sondern das Ergebnis einer klaren Überzeugung: etwas bauen, weil man es kann und weil es vorher noch niemand gemacht hat. Auf einer der neuesten Plattformen im BMW-Programm mit den ältesten Methoden zu arbeiten, mit Augenmass, Geduld und Lust am Erstsein, das macht den Charakter dieses Umbaus aus und zeigt zugleich, wie viel Potenzial in der neuen R-1300-Boxer-Generation für individuelle Interpretationen steckt.